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„Wer sich nicht bewegt, bewegt auch nichts“

2019-07-12T12:38:17+02:0018. Juni 2019|
  • Interview mit Dirk Sikora (Mitglied des Steuerungsteams)

  • Ist bei den Leipziger Verkehrsbetrieben tätig als:
    Bereichsleiter Infrastruktur

  • Beschäftigt sich im Projekt MADAM mit der Fragestellung:
    Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit die Belegschaft ihre Arbeit digital-mobil ausführen kann?

  • Persönliches Motto:
    Wer sich nicht bewegt, bewegt auch nichts

Kannst du dich bitte kurz vorstellen? Was machst du bei den Leipziger Verkehrsbetrieben? Wie lange bist du schon im Unternehmen?

Gerne. Ich heiße Dirk Sikora und leite seit 2014 den Bereich Infrastruktur bei den Leipziger Verkehrsbetrieben. Damit bin ich zuständig für ca. 300 Km Gleisnetz und ca. 1.600 Km Bahnstromkabel sowie die zugehörigen Verteilerstationen. Im Unternehmen bin ich seit 2001, mit unterschiedlichen Verantwortungs- und Tätigkeitsfeldern.

Was bedeuten für dich persönlich die Themen Digitalisierung und neue Arbeitswelten?

An der Digitalisierung kommt keiner mehr vorbei. Das hat sich für mich bereits vor einigen Jahren abgezeichnet, als es bei mir darum ging ein Anlagenmanagementsystem für die Infrastruktur einzurichten. Das tut man natürlich in erster Linie um Kosten zu reduzieren und die Qualität zu steigern. Es ist aber auch erforderlich um die immer komplexere Welt irgendwie in den Griff zu bekommen. Eine Umstellung auf ein solches System bedeutet, dass alle Prozeßschritte digital werden müssen, weil ein Bruch in der Bearbeitungskette zu Fehlern im System führen kann. Neue Arbeitswelten bieten also riesige Chancen, sie bringen aber auch Ängste und Sorgen mit sich, denen man sich stellen muss, damit es ein Erfolg wird.

Was interessiert dich am Projekt MADAM? Warum arbeitest du im Projekt mit? Wie bist du ins Team gekommen?

Im Projekt MADAM haben wir die Chance mit neuen, also auch modernen, Arbeitsmethoden, Antworten auf die drängenden Fragen im Zusammenhang mit der Digitalisierung in Unternehmen zu erarbeiten. Das, was ich beschrieben habe, also zum Beispiel die Einführung eines digitalen Anlagenmanagementsystems, macht was mit den Menschen. Ich habe festgestellt, dass Mitarbeiter*innen durchaus ein riesiges Problem damit haben, dass es eine uneingeschränkte Transparenz und Nachvollziehbarkeit jedes Schrittes gibt. Das heißt auch, dass man jetzt keine Möglichkeit mehr hat „mal etwas zu verschieben“ oder „es mal anders zu machen“. Abweichungen, um das Wort Fehler zu vermeiden, werden sofort erkennbar.

Es stellen sich also 2 Fragen:

  1. Was muss eine Führungskraft in diesem Veränderungsprozess beachten- was muss Sie für ihre Mitarbeiter*innen tun?
  2. Wie können Mitarbeiter*innen in diesem Wandlungsprozess mit den Neuerungen und Herausforderungen umgehen – was können sie für sich tun?

Warum arbeite ich mit….? Ich habe mich gewissermaßen ein wenig ins Projekt gedrängelt, weil ich der Auffassung bin, dass es wichtig ist, dass auch eine Führungskraft des „TOP-Managements“ seine Sichtweise mit einbringt. Außerdem reizt mich die Veränderung, die in dem Transformationsprozess drinsteckt. Außerdem darf ich ja auch immens viel im Projekt lernen.

Ins Team bin ich gekommen, weil mich die Projektleiterin zum Zeitpunkt des Zweifelns (ob ich das mit meinem Arbeitsalltag alles unter einen Hut bekomme) einfach noch mal begeistern konnte.

Wir arbeiten im Projekt mit der Design Thinking Methode. Was hast du für Erfahrungen mit der Methode gemacht? Würdest du sagen, Design Thinking ist eine passende Methode für ein Innovationsprojekt? Warum?

Ich bin schon immer offen für neue Wege und habe mich daher schon vor ein paar Jahren mit DT auseinandergesetzt und damit „experimentiert“. Damals waren wir dazu noch gar nicht richtig aufgestellt. Meine Erfahrungen waren trotzdem durchaus positiv. Ich muss aber zugeben, dass ich anfangs mit der „sehr anderen Vorgehensweise“ meine Probleme hatte. Ich bin Ingenieur und Projektsteuerer. Da ist man gewohnt von Anfang an alles klar zu durchdenken und durchzustrukturieren. Fehler müssen vorhergedacht und Lösungen eingebaut werden. Auch heute habe ich noch das Gefühl, dass es mir nicht schnell genug vorwärts geht. Das ist aber nur eine Momentaufnahme und ich bin sicher, dass die Ergebnisse gut sein werden. Klar ist ja auch, dass DT nicht für Bauvorhaben oder ähnliche Projekte geeignet oder gedacht ist, sehr wohl aber für Innovationsprojekte. Das Wesentliche ist halt, dass man nicht mit Erfahrungswerten und „das haben wir schon immer so gemacht“-Ansätzen anfängt, sondern so offen wie möglich. Das ist auch eine unglaubliche Erfahrung für mich.

Zu welchen Themen arbeitest du im Projekt MADAM? Warum interessiert dich dieser Bereich/Fragestellung?

Meine Design-Challenge, um im Jargon zu bleiben, lautet: „Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit die Belegschaft ihre Arbeit digital-mobil ausführen kann?“ Wie schon gesagt, mich interessiert das, weil es nicht nur um technische Voraussetzungen geht, sondern weil wir als Führungskräfte wissen müssen, wie wir uns selbst dem Thema Digitalisierung stellen. Vor allem aber müssen Antworten auf die Fragen der Mitarbeiter*innen gegeben werden.

Das erste Arbeitspaket ist abgeschlossen und die ersten Workshops wurden bereits durchgeführt. Was sind deine ersten Eindrücke? Wie hast du dich als Moderator gefühlt?

Das erste Arbeitspaket war ja schon geprägt von viel Freiheit im Denken und in der Methodik, sich zu äußern. Da war ja auch kreatives Gestalten mit allen möglichen Bastelmaterialien gefragt. Das ist etwas, was schon sehr anders ist, als mein Arbeitsalltag…(- lacht). Es erweitert aber den Horizont der Möglichkeiten. Als Führungskraft ist man ja häufig als Moderator gefragt. Diese andere Art des Arbeitens zu moderieren ist allerdings für mich dann jetzt auch erst mal sehr neu gewesen. Zum Glück hatte ich zwei erfahrene und im DT-Prozess geschulte Moderator*innen in meinem Team. Das hat dann vieles entspannter gemacht.

Wie geht’s weiter?

Wir haben gerade die Vorbereitungen für die begleitenden Beobachtungen abgeschlossen. Nach Freigabe der Stakeholdergruppen durch unsere Geschäftsführung sowie die Betriebsräte, können in den nächsten Wochen die Beobachtungen durchgeführt werden.

Was kann der Gewinn von MADAM für das Unternehmen sein?

Aus meiner Sicht wird es eine Sensibilisierung für das Thema „Digitalisierung, und wie gehen wir damit um“ geben. Es wird für uns deutlich klarer werden, welche Form von Digitalisierung bei uns denkbar und sinnvoll ist, und wie wir das gestalten müssen. Ein wesentlicher Mehrwert im Transformationsprozess.

Wo siehst du Herausforderungen für das Projekt?

Ganz ehrlich? Es muss uns gelingen, die Spannung und Begeisterung über die recht lange Projektlaufzeit zu halten. Es wäre schade, wenn die Motivation der Beteiligten nachließe und das Projekt dann auf kleiner Flamme liefe. Wir haben auch festgestellt, dass es viele begeisterte Teilnehmer*innen braucht, da wir in Summe sehr viele Gruppen haben und die, damit kreatives Arbeiten überhaupt möglich ist, mit mindestens 4 anwesenden Teilnehmer*innen besetzt sein müssen (es gibt erfahrungsgemäß ja auch immer noch ein paar Krankheitsausfälle oder Abwesenheiten durch Terminkollision).

Ist es schwierig den Arbeitsaufwand für MADAM mit deiner Tätigkeit zu kombinieren?

Definitiv ja! Das wusste ich aber vorher. Ich muss mich halt entsprechend organisieren. Das wird aber auch einfacher. Für mich ist die etwas andere Arbeitsweise am Anfang halt auch immer noch eine zusätzliche Anforderung gewesen.

Möchtest du zum Abschluss noch was sagen?

Ich wünsche dem Projekt die erforderliche Offenheit Neugierde der direkt Mitarbeitenden sowie das Interesse aller anderen im Unternehmen, da wir meines Erachtens eine riesige Chance haben, für unser Unternehmen etwas zu lernen und zu gestalten.

Vielen Dank, lieber Dirk, für deine Gedanken! Wir freuen uns auf die nächste Phase im Projekt und die weitere Zusammenarbeit mit dir.

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