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„Man beginnt mehr nach rechts und links zu schauen und nicht nur in Hierarchien zu denken.“

2020-08-19T14:25:02+01:0019. August 2020|
  • Interview mit Annette Körner (MADAM Projektmitglied)

  • Ist bei den Leipziger Verkehrsbetrieben tätig als:
    Umweltschutzbeauftragte der LVB-Gruppe (seit 2005)

  • Beschäftigt sich im Projekt MADAM mit der Fragestellung:
    Führung & Qualifizierung

  • Persönliches Motto:
    Sehe in deinem Gegenüber immer die Potentiale.

Was machst du bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) und wie lange bist du schon dabei?

Ich bin seit 2005 Umweltschutzbeauftragte der LVB-Gruppe.

Mit welchen Themen beschäftigst du dich in MADAM? Welche Themen sind dir besonders wichtig?

Mich interessiert besonders die Digitalisierung, und dabei besonders der Fokus auf den Menschen und die Kreativförderung.

Ich finde es gut, dass wir uns Gedanken machen, wie wir Technik nutzen können, um besser und mobiler zu arbeiten. Mich interessiert besonders, was die Digitalisierung mit dem Menschen macht. Was können wir tun, damit das Zwischenmenschliche nicht verloren geht? Was muss dafür getan werden, dass die Mitarbeiter*innen kreativ bleiben können? Arbeit muss auch einen Wohlfühlcharakter haben, so dass wir wirklich auch mit Lust an die Arbeit gehen und unser ganzes Potential einbringen können. Dazu gehört auch, dass wir uns auch mal die Zeit nehmen können, was zu lesen und uns selbst weiterbilden können. Am Ende geht es nicht nur darum, dass die Kolleg*innen ein Diensthandy oder Laptop bekommen. Da gibt es noch ganz viel drum herum und das muss erarbeitet werden.

Wo steht ihr aktuell?

Wir haben im Projekt MADAM teilnehmende Beobachtungen und Interviews durchgeführt, um zu schauen, wie die Kolleg*innen arbeiten und wo die Digitalisierung Erleichterung bringen kann. Ich fand es sehr interessant, dass wir uns nicht nur angeschaut haben, welche Prozesse man optimieren kann, sondern auch: wie sind die Arbeitsbedingungen der Menschen und wie kann man diese durch Digitalisierung verbessern?

Dann haben wir diese Informationen ausgewertet und die Bedürfnisse herausgefiltert. Entstanden sind dann sogenannte Personas, die bestimmte Probleme und Bedürfnisse haben, die auch in der Belegschaft existieren. Da gibt es z.B. den Andreas, der sehr stark auf Regeln und Ordnung achtet und mit Veränderung schlecht umgehen kann. Wir haben die Personas illustrieren lassen. Sie hängen bei jedem Workshop groß im Raum, damit wir uns leicht in sie hineinversetzen können. Die Personas werden wir auch nie wieder vergessen (lacht).

Aktuell entwickeln wir Ideen, wie wir z.B. Andreas am besten bei Veränderungen mitnehmen können und ihn überzeugen können, dass die Digitalisierung auch Verbesserungen mit sich bringen kann. Wir gehen dabei ganz offen ran und sammeln mit verschiedenen Brainstorming- Techniken möglichst viele Ideen, ohne sie zu bewerten. Wir haben  u.a. versucht Ideen, aus anderen Perspektiven zu entwickeln. Was würde der mutige Lucky Luke oder der reiche Geizhals Dagobert Duck der Persona empfehlen? Oder aus Sicht von dem Virus „Coroni“ und den neuen Erfahrungen, die wir in dieser Zeit gemacht haben, welche Empfehlungen haben wir? Solche Techniken regen an, nochmal etwas weiter zu denken.

Was hast du bei MADAM gelernt? Was hat dich überrascht?

Ich habe gelernt, wie vielschichtig die Tätigkeiten im Unternehmen und die Personen sind und dass wir trotzdem alle an einem Strang ziehen können. Unser MADAM Team ist interdisziplinär zusammengesetzt, aber trotzdem können alle mit guter Laune, 5-6 Stunden auf Postits Ideen schreiben, wie wir die Arbeitswelt verbessern können. Das finde ich extrem motivierend. Mit Menschen zu arbeiten, die etwas verbessern wollen und auch möchten, dass es uns auch in 30 Jahren noch gibt, ist eine große Bereicherung.   

Wie findest du Design Thinking als Methode und die Herangehensweise im Projekt?

Effektiv und Spannend finde ich vor allem, dass wir das Projekt aus uns selbst heraus mit unseren eigenen Beschäftigen entwickeln. Wir haben keine Agentur beauftragt, die mit uns Workshops veranstalten, sondern das machen alles Kolleg*innen von uns. Deshalb denke ich, dass wir im Laufe der Zeit als viele kleine „Motoren“ die Ideen in Maßnahmen verwandeln können und diese Maßnahmen dann auch in verschiedenen Bereichen durchsetzbar werden. Das ist eine sehr nachhaltige Herangehensweise. An dem Projekt sind viele Mitarbeiter*innen beteiligt und die Verantwortung ist auf vielen Schultern verteilt. Dadurch lernen wir als Unternehme, eher als wenn die Ideen allein durch eine externe Agentur entwickelt werden. Wir haben durch die Projektstruktur in allen Bereichen des Unternehmens quasi „Motoren“, die verstehen, warum das Projekt wichtig ist und für die Umsetzung der Maßnahmen werben. Das ist wichtig, um auch nachhaltige Veränderungen generieren zu können.

Hat sich durch Corona viel geändert im Unternehmen?

Ich denke ja. Zum einen ist der Zugang zur Technik für virtuelle Meetings und im Home Office leichter geworden. Zum anderen hat sich auch das Bewusstsein der Mitarbeiter*innen verändert. Wir haben gelernt, dass wir uns gegenseitig Vertrauen können und dass die Aufgaben erledigt werden, auch wenn wir uns nicht jeden Tag sehen. Aber wir wissen jetzt auch den sozialen Kontakt bei der Arbeit viel mehr zu schätzen. An Problemen gemeinsam zu arbeiten, sich zu verschiedenen Themen auszutauschen und einfach auch zu wissen, was es Neues im Unternehmen gibt, ist auch ein wichtiger Teil unserer Arbeit.

Was für eine Bilanz ziehst du für dich nach über einem Jahr MADAM?

Ich finde das Projekt auch für mich persönlich sehr bereichernd. Ich finde es spannend mit Kolleg*innen aus anderen Abteilungen in einem Team zusammenzuarbeiten und deren Sichtweise kennen zulernen. Wir duzen uns alle untereinander und die Zusammenarbeit ist sehr angenehm. Ich denke, die Arbeit in solchen Teams hat auch einen wichtigen Effekt auf die Unternehmenskultur. Durch solche Projekte identifiziert sich der Mitarbeiter/ die Mitarbeiterin mehr mit dem Unternehmen, achtet die Arbeit der anderen mehr und geht bei Problemen anders auf die Kolleg*innen zu. Man beginnt mehr nach rechts und links zu schauen und nicht nur in Hierarchien und Abhängigkeiten zu denken. Das sind Effekte die hoffentlich bleiben werden.

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